Wie bereits viele Studien belegen, ist Krebs die Todesursache Nr. 1 bei unseren Hunden. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen haben sich die medizinischen Möglichkeiten im Veterinärbereich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Die Diagnose Krebs muss deshalb nicht gleich ein Grund zum Einschläfern des Hundes sein. Es gibt erfolgversprechende Möglichkeiten, die das Leben eines an Krebs erkrankten Hundes maßgeblich verlängern können. Und das bei guter Lebensqualität!

Zum Thema Krebs beim Hund habe ich mit der spezialisierten Tierärztin Frau Dr. Silvia Kragnolini gesprochen, die bei der Krebsbehandlung verschiedene Therapieformen parallel einsetzt. Je nach Alter des Hundes, allgemeinem Gesundheitszustand, Herzfunktion, Zustand der inneren Organe und Ergebnis des Blutbildes empfiehlt sie immer eine sehr individuelle Therapie: Jeder Hund ist anders. Wie auch jede Tumorzelle anders ist.

Ariana Mohar: Welche Symptome könnten beim Hund auf Krebs hindeuten?

Dr. Silvia Kragnolini: Im Grunde gibt es viele Symptome, die auf unterschiedliche Erkrankungen hindeuten können.

  • Appetitmangel und Fressunlust bis hin zur Abmagerung
  • Der Hund wirkt müde und bewegt sich weniger bis hin zum Leistungsabfall
  • Der Hund hat Probleme beim Kotabsetzen oder Urinieren bis hin zu Erbrechen und Durchfall
  • Der Hund lahmt, entwickelt einen steifen Gang oder hat Gelenksschmerzen
  • Alle Verhaltensänderungen sollten den Hundehalter alarmieren. Wenn der Hund plötzlich etwas macht, was er bisher nie gemacht hat, wie plötzliches Urinieren im Bett, kein Bellen, wenn es an der Türe klingelt oder er zeigt sogar ein aggressives Verhalten.

Kleinste Indizien können eine gute Beobachterin oder einen guten Beobachter schon auf die richtige Fährte führen. Der Hund versucht mit uns zu kommunizieren, auch, wenn er das sehr subtil tut. Bei plötzlichen Verhaltensänderungen sollte man immer genauer hinschauen. Frisst der Hund nicht mehr so freudig seine tägliche Mahlzeit oder er bettelt plötzlich nicht mehr bei Tisch, was er sonst immer getan hat. Oder er fordert auf einmal seine Zwischendurch-Belohnung nicht mehr ein. Das können erste Anzeichen sein.

Unsere Tiere zeigen Schmerzen nicht so wie wir Menschen es heute tun. In der Natur versucht das Tier, seinen Schwachpunkt nicht zu zeigen, denn sonst würde es im nächsten Moment gefressen werden.

Ariana Mohar: Wie stellen Sie die Diagnose Krebs?

Dr. Silvia Kragnolini: Es gibt unterschiedliche Untersuchungsmöglichkeiten: Angefangen beim Durchtasten des Körpers, ob ein Knoten gewachsen ist bzw. ob Veränderungen an der Haut sichtbar sind. Finde ich einen Knoten, so besteht die Möglichkeit mit einer Nadel zu punktieren. Das ist eine schnelle Möglichkeit, Gewebe zu entnehmen und zu untersuchen. Finden sich äußerlich keine Veränderungen, so sind diverse Laboruntersuchungen zielführend bis hin zu Röntgen und Ultraschall.

Ariana Mohar: Soll jeder Tumor auch operativ entfernt werden?

Dr. Silvia Kragnolini: Wenn möglich, ja. Somit ist dieser erst einmal entfernt und man kann dazu übergehen, den Körper beim Aufbau der Immunkraft therapeutisch zu unterstützen.

Ariana Mohar: Welche Krebstherapien wenden Sie an?

Dr. Silvia Kragnolini: Mein Ansatz ist die „immunmodulierende Therapie“. Dabei ist das Ziel, das Immunsystem zu stärken und dazu anzuregen sich selbst zu heilen. Hier setze ich auf eine kombinierte Krebstherapie, wie beispielsweise die biologische Tumor-Behandlungen mittels Hyperthermie kombiniert mit der Misteltherapie und/oder die Behandlung mit Thymusextrakten.

Es können aber auch andere Methoden zum Einsatz kommen, wie die Behandlung mit Dendritischen Zellen. Diese können dafür eingesetzt werden, um gegen vorhandene Krebstumore zu impfen.

Ariana Mohar: Kommt auch die klassische Chemotherapie bei Ihnen zum Einsatz?

Dr. Silvia Kragnolini: Jeder Hund ist anders und deswegen muss auch jede Therapie ganz individuell angepasst werden. Ich beschäftige mich bereits seit über 25 Jahren mit der Krebstherapie und habe „Rezepte“ in meinem Kopf, wie ich am besten vorgehe. Hier gibt es viele Möglichkeiten, die Vitalität des Hundes wiederherzustellen und ihm ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Ja, auch die klassische, aggressive Chemotherapie kann dabei zum Einsatz kommen. Jedoch immer kombiniert und begleitet mit alternativen Methoden. Das hat zum Ziel, dass die körpereigene Abwehr gesteigert und die Lebensqualität erhöht wird. Die Nebenwirkungen sinken und Infekte können verhindert werden.

Ariana Mohar: Wie läuft eine Hyperthermie bzw. regionale Tiefenhyperthermie ab?

Dr. Silvia Kragnolini: Bei der Hyperthermie wird lediglich das Tumorgewebe mittels Radiowellen auf bis zu 42° C erwärmt. Das passiert in meiner Ordination computergesteuert mit einem speziellen Gerät. So werden Tumore und Metastasen durch Hitze zerstört, ohne dass die restlichen Körperzellen angegriffen werden. Gerne setze ich dabei begleitend auch Curcuma als Infusion und Therapieverstärker ein.

Diese „Fiebertherapie“ kann mit anderen Therapien wunderbar kombiniert werden und hat den Vorteil, dass beispielsweise eine Chemotherapie viel geringer dosiert werden muss.

Ariana Mohar: Welchen Krebsarten können mit Hyperthermie behandelt werden?

Dr. Silvia Kragnolini: Die Behandlung mit Hyperthermie ist für alle Krebsarten geeignet! Behandelt werden können solide Tumore in Darm, Harnblase, Leber, Lunge, Eierstock, Gebärmutter, den Knochen, im Gehirn sowie befallene Lymphknoten, Hautmetastasen, Mammakarzinome oder Fibrosarkome. Auch, wenn sich schon Metastasen gebildet haben, gibt es noch eine Chance.

Ariana Mohar: Worauf muss man sich als Hundehalter einstellen, wenn man sich für eine Krebsbehandlung beim Hund entschließt?

Dr. Silvia Kragnolini: Anfangs ist es nötig, 1-2 Mal pro Woche in die Ordination zu kommen. Bei Einsatz der Hyperthermie brauchen Sie zumindest 1 Stunde Zeit. Und das über 3-4 Wochen. Danach kann man schon erkennen, wie der Hund auf die Behandlung anspricht. Die Abstände verlängern sich schließlich bis hin zu einem Besuch pro Monat. In einem halben Jahr kann man schon sehr gute Erfolge erzielen. Viele Hundehalter kommen monatlich zu einer Hyperthermie-Behandlung. Vor allem, weil Sie sehen wie gut sich der Hund regenerieren kann.

Ariana Mohar: Mit welchen Nebenwirkungen muss man denn rechnen?

Dr. Silvia Kragnolini: 4 bis 24 Stunden nach der Behandlung mit Hyperthermie erfolgt ein regelrechter Serotonin-Schub. Doch auch, wenn der Hund eine positive Leistungssteigerung erfährt, sollte er geschont werden. Ich empfehle zwei Tage „Körbchenruhe“, keine Aufregungen und Aktivitäten. Denn es stellt sich auch das erwünschte Fieber ein. Nur so können Immunzellen aufgebaut und Tumorzellen abgebaut werden. Die Zellen werden durch die von außen zugeführte Wärme gestresst, damit sie von der körpereigenen Abwehr eliminiert werden können.

Ariana Mohar: Was würden Sie meinen Leserinnen und Lesern raten: Was kann sie/er tun, um Krebs beim Hund vorzubeugen?

Dr. Silvia Kragnolini:

  • Eine gesunde, artgerechte Lebensweise
  • Hochwertige Ernährung: wenn Fertigprodukte gefüttert werden, dann ohne Farb- und Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker
  • Vermeidung von Stress
  • Den Hund artgerecht beschäftigen
  • Vermeidung von Übergewicht, denn das ist krebsfördernd!

Vielen Dank, Frau Dr. Kragnolini für das Interview!

Dr. Silvia Kragnolini ist Tierärztin aus Baden/ Wien und beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit dem Thema Krebs bei Tieren. Für nähere Informationen erreichst Du Sie unter
tierambulatorium-baden.at

„Ein Yorkshire Terrier kam mit 13 Jahren in meine Ordination. Diagnose Eierstockkrebs. Nach Entfernung der Eierstöcke, der Eileiter und der Gebärmutter wurde eine individuelle Therapie mittels Hyperthermie und Misteln durchgeführt. Heute ist die kleine Hündin schon 19 Jahre alt.“

Dasty bei der Behandlung mit Hyperthermie.

Erfolgs-
geschichten gegen
den Krebs

Dr. Silvia Kragnolini

„Dasty, ein Golden Retriever ist mit 12 Jahren an einem bereits metastasierenden Hämangiosarkom, einem Gefäßtumor, erkrankt. Herkömmliche Therapien verlängern in diesem Stadium ein Leben oft nur um 3 Wochen bis 3 Monate. Mit einer speziellen auf ihn abgestimmten Therapie u.a. mit Hyperthermie wurde Dasty ein Jahr lang behandelt bis der Tumor an der Schulter operativ entfernt werden konnte. Heute ist der Golden Retriever 13,5 Jahre alt und noch immer völlig krebsfrei. Man kann mit Bestimmtheit sagen: Sein Leben während und nach der Behandlung hat an Qualität gewonnen.“

Dasty nach erfolgreicher Entfernung des Tumors auf dem Weg der Besserung.

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